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Thomas Baston —
seltener Pionier der englischen Marinemalerei

Hier sein Seesturm
in lavierter Federzeichnung auf Pergament
als Feinstes vom Feinen

Baston, Thomas. INCUBUERE mari totumque, a fedibus imis una Eurusque Notusq; RUUNT ereberque procellis AFRICUS, et vastos volvunt ad Litora fluctus. Unter tief wolkenverhangenem Himmel arbeiten sechs nur noch unter der Fock laufende Dreimaster in schwerem Wetter. Einer scheint sich indes gerade in die Tiefe zu segeln. Grau lavierte Federzeichnung auf Pergament. Unten rechts bezeichnet: TBaston F. 1722. sowie aus Vergil’s Æneis wie oben. 180-184 x 282-287 mm.

Sehr fein ausgeführte , atmosphärenreiche Arbeit Baston’s

– inspiriert möglicherweise von Hollars „ Kriegsschiffen im Sturm “ –

(Parthey 1275; Hollar-Katalog Berlin, 1984, 97 nebst Abb.) zu Blatt 17 der „Twenty-two Prints of several of the Capital ships of his Majesties Royal Navy with Variety of other Sea Pieces after the Drawings of T. B.“, die 1721 „unter seinem Namen nach seinen Zeichnungen, aber von verschiedenen Künstlern gestochen“ bei T. Bowles in London erschien und erst Thieme-Becker III, 27 mit 22 Blatt komplett bekannt war. Nagler I, 317 kannte Baston als Zeichner und Stecher, aber nur 9 Blatt der auch im Scheepvaart Museum fehlenden, erst in jüngster Zeit mit US$ 20.000 hochbezahlt verhandelten Folge.

In seinen Lebensverhältnissen weitgehend unbekannt, sind andere Arbeiten auch der neuesten Literatur – AKL VII, 434 – nicht bekannt geworden:

„ Artist working in the first quarter of the 18th century. In the reign of George I, Thomas Bowles published an important set of prints, ‚Twentytwo PRINTS of several of the CAPITAL SHIPS OF HIS Majties ROYAL NAVY with Variety of other SEA PIECES after the drawings of T. Baston‘. The National Maritime Museum, Greenwich, has two drawings by him. This compiler knows of no oil paintings by him “

(Archibald, Dictionary of Sea Painters, in der den Druckfehler „un“important korrigierenden 3. Ausg., 2000).

Ergänzend hierzu Chatterton, Old Ship Prints, 83 f., nebst Tafel:

„ During the first quarter of the eighteenth century there flourished Thomas Baston, who deserves our attention because he has left us some very spirited illustrations of English men-of-war … some of his pictures were engraved by … Kirkall, and others … The detail of these ‚wooden walls’, with their great topsails and their picturesque poop lanterns, is

most valuable if we wish to study

the ships of the period immediately preceding 1765 ,

the date when Nelson’s Victory was launched …

Such details as the running and standing rigging, the pennants, the stowage of the anchors … which immediately attract our attention … Certainly such prints … give a life and meaning to eighteenth-century naval history, for they help us to visualize the manner in which fleets went into action, or fought their way across the ocean under conditions that we can scarcely envy. “

Auf Grund neuerer Nachforschungen scheint hiesiger Baston indes um 1665/70 in Irland geboren und Vater eines 1691 in Allhallows, London Wall, als Sohn von Thomas (I) und Mary Baston getauften Thomas (II) zu sein. Weitere Dokumente belegen die Existenz eines zumindest in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts in großen finanziellen Schwierigkeiten lebenden Marinezeichners Thomas Baston, bei dem es sich altersmäßig somit um hiesigen Th. I handeln dürfte, der schließlich die Jahre von 1710 bis wenigstens Ende 1716, wahrscheinlicher bis um 1720, in Schuldhaft verbrachte. Dies denn in bemerkenswerter Übereinstimmung mit der Spanne in den Datierungen zwischen zwei weiteren hier präsenten Zeichnungen von 1710 bzw. 1720 sowie dem 1721 einsetzenden Erscheinen der Folge. Für 1728 ist in Allhallows abschließend noch die Geburt eines Thomas III als Sohn von wiederum Thomas und Mary Baston belegt. Siehe hierzu wie auch zu der gleichfalls in Allhallows für vor Mitte 1691 vermerkten Heirat eines (weiteren?) Thomas Baston mit der begüterten Witwe Ann Grace ausführlicher Charles H. Wallace, Thomas Baston: Pioneer Marine Print Designer.

Künstlerisch gehört Baston zu den

frühesten Pionieren einer eigenständigen englischen Kunstszene

zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Und es sind Baston und der offenbar etwa eine halbe Generation jüngere Peter Monamy (1681-1749), die nicht allein die Nachfolge des zuletzt in London tätigen, 1707 verstorbenen jüngeren van de Velde antreten, sondern eine im politisch-wirtschaftlichen Umfeld gesicherter Vorherrschaft auf allen Meeren und eines wachsenden Kolonialreichs zunehmende bürgerliche Kunstnachfrage befriedigen und damit die Marinemalerei populär machen, Baston im Bereich der Grafik, Monamy mit Ölen. Letzterer übrigens gleichen Tages von der Zunft der Maler freigesprochen wie Sir James Thornhill, der spätere Schwiegervater William Hogarths, mit dem Monamy dann befreundet war und gleich dem er – kurz vor seinem Tode – mit einer heute allerdings verschollenen Marine zur Ausstattung von Captain Corams Findelhaus beitrug.

Das von Chatterton wiedergegebene dreizehnte Blatt der Folge – wie anstehendes gestochen von Sartor – mit Wappen und Widmung für die kgl. Offiziere anstelle des Vergil-Verses.

Thomas Baston, Seesturm / Kupferstich

Mit dem zugehörigen zeitgenössischen Kupfer im Gegensinn

von Johann Jakob Sartor (bezeichnet: TBaston delin / Sartor Sculp., ansonsten wie die Zeichnung nebst Zusatz „Vergil“. 22 x 30,9 cm).

Sartor, auch Sarter geschrieben, lebte zumindest überwiegend in Köln, nämlich von 1710 (Titel zu den Opera mystica des B. Joannis a Cruce) bis 1737. So Nagler, Monogramm., IV, 424 in nur teilweiser Übereinstimmung mit Thieme-Becker (1706/12 ungewiß wo, 1715/19 London, 1732/37 Köln). Im Künstler-Lexicon allerdings erwähnt Nagler unter Pos. 1 das Kreuzigungsblatt nach van Dyck und Schelte à Bolswert, das 1729, also während der berichteten Kölner Zeit, in London erschien.

Thomas Baston, Seesturm (Signatur)

Die Zeichnung knapp außerhalb – unten unter Aussparung der Signatur rechts – der Einfassungslinie geschnitten. Im rechten Rand in der Himmelspartie drei kleine bis winzige Ausrisse. Die von der Handwärme des Künstlers herrührende gewisse Wellung – vgl. Meder, Handzeichnung, 169 – zu gewisser Knitterspurigkeit führend, die indes der Darstellung der aufgewühlten Elemente durchaus eine gewisse zusätzliche Plastizität vermittelt. Insgesamt etwas berieben.

Der überaus üppige Papierrand des Kupfers – auf besonders schwerem Bütten mit typographischem Wasserzeichen – in den Außenpartien tlw. zeitspurig und mit etlichen säurefrei hinterlegten Randeinrissen. Im übrigen jedoch durch noch schwach vorhandenen Plattenschmutz qualifizierter früher, kräftiger Abdruck.

Von absolut unübertroffenem Reiz für jede Sammlung

Thomas Baston, Seesturm / ZeichnungThomas Baston, Seesturm / Kupferstich

die Gegenüberstellung von Ursprungszeichnung und Kupfer :

Einzig die Zeichnung kann durch ihre Unmittelbarkeit den ganzen Künstler offenbaren. In einem Maße wie es selbst beim Mezzotinto nicht erreichbar ist, können hier mit Feder und Lavierung neben klaren Linien auch noch feinste Schattierungen erzielt werden. Viele Details erscheinen auch in der durchgeführten Zeichnung noch skizzenhaft und solchermaßen den Blick freigebend für das, was dem Zeichner wesentlich war.

Der an das Korsett der Linie gebundene Stich dagegen kann – unbeschadet seines durchaus eigenen Reizes – zarte Schattierungen nur sehr bedingt vermitteln, andere, in der Zeichnung nur skizzierte Details treten dafür vielfach sehr viel stärker in den Vordergrund als dies ursprünglich gedacht gewesen sein mag.

So auch hier. Erscheint der Seesturm im Kupfer unter der düsteren, tiefen Bewölkung fast schon gegenständlich, ist der Horizont deutlich abgesetzt, so vermeint man auf der Zeichnung die Feuchtigkeit in der Luft über der aufgewühlten See geradezu zu fühlen, verwischen sich Wolken und Wogen am Horizont im Dunst.

Solche Gegenüberstellung indes

– bedingt sowohl durch den Unikatcharakter einer Originalzeichnung als solche wie auch die häufige Unauffindbarkeit –

eine nur äußerst selten sich bietende Gelegenheit .

Zumal bei Pergamentzeichnungen. War Pergament vor Aufkommen des Papiers noch das nahezu ausschließliche Material für Zeichnungen aller Art, so setzte etwa im dreizehnten Jahrhundert entsprechend der stetig verbesserten Qualität der Papiere eine zunehmend rigorosere Verdrängung ein, die dem Pergament vornehmlich die Rolle für stark beanspruchte Architekturentwürfe und ähnliches überließ. Erst

„ Im 17. Jahrhundert erfuhr es eine Art Neubelebung. Nicht nur, daß man fein gezeichnete Kompositionen, Genredarstellungen und Stilleben darauf ausführte … Sie wurden auch durch zarte, farbige Lavierung auf Bildwirkung gebracht “

(Meder, Die Handzeichnung, S. 171 f.).

Hiesige solchermaßen bereits am Ende der namentlich von den Niederländern getragenen Neubelebung stehend und, neben der besonderen Wirkung, wohl auch auf eine dem Virgil’schen Vers entsprechende Dauerhaftigkeit bedacht. In ihrer Gegenüberstellung mit dem zeitgenössisch gearbeiteten Kupfer – seitenverkehrt durch die direkte Übertragung auf die Platte – aber nunmehr

eine absolute Bereicherung nicht nur jeder maritimen Sammlung .

Und, wie gesagt,

absolut unübertroffen der von solcher Gegenüberstellung

Ursprungszeichnung — Kupfer

ausgehende Reiz für den Betrachter .

Und für das Selbstverständnis des Hausherrn .

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