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jan hendrik niemeyer - seit 1992 -

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Der Venuswagen / Exemplar Heinrich Stinnes I/XL

Einem Provenienz-Muffel ins Stammbuch geschrieben

Der ganze Reiz numerierter Pressendrucke —
in Nr. I feiert er seinen höchsten Triumph , verkörpert in
Doktor Heinrich Stinnes

als eines jener Granden des industriellen rheinischen Kapitalismus, die Provenienz-Geschichte schrieben, wohlwissend, »daß man Kapital nur genießen kann, wenn man es in Kunst verwandelt«, so Dirk Schümer in seiner Rezension der Genueser Ausstellung Das Zeitalter von Rubens in Vergegenwärtigung der »ökonomische(n) Globalisierung um 1600« (FAZ 6. April 2004).

» Provenienzexemplare

» sind Bücher, die, wie das Supralibros, das Exlibris oder eine handschriftliche Eintragung beweisen, aus einer berühmten Bibliothek stammen und zu deren Eigentümer in persönlichem Verhältnis standen « (Hans Bohatta in Lexikon des Gesamten Buchwesens, Band III [1937], Seite 58).

So denn auch nachfolgend hier. Band für Band auf dem Vorsatz der von Erwerbsquelle + Preis begleitete handschriftliche Besitzeintrag des Sammlers in tiefschwarzer Tinte. Welch eine Hand hat ihn geführt! Imperiale Schriftzüge nannte sie, ins Schwarze treffend, Die Zeit am 5. Januar 1950 gelegentlich einer weiteren der seit 1932 laufenden Nachlaßauktionen (Zeit Online). Und weiter

» Man erkannte sein Temperament auch an den Federzügen, die eine mächtige Klaue auf den Passepartouts oder auch auf den Blättern selbst angebracht hatte. In das Haus nämlich … gelangte kein graphisches Blatt, von dem nicht auf diese, fast manische Weise Besitz ergriffen worden wäre. «

So scheint’s in der Tat. Und findet seine Entsprechung im roten Sammlungs-Stempel nebst 1/40 im Rand links unten einer jeden der 73 hiesigen Graphik-Tafeln. Und apropos solcher Besitzeinträge erweist sich der ansonsten des Pudels Kern trefflich treffende Zeit-Schreiber indes als bibliophiler Ignorant, wenn er aufstöhnt:

» Nicht mit dem Bleistift etwa, den ein tilgender Radiergummi leicht hätte entfernen können ( sic ! ), sondern mit tief schwarzer Tinte und imperialen Schriftzügen, oder gar mit einem impertinenten Tintenstift, der sich mit Wollust in die Haut des edelsten japanischen Papieres eingrub. Eine Tätowierung, die alle Entfernungskünste der erfahrensten Restauratoren verhöhnt. «

Dokumentenecht, eben. Und nur ein Jacobiner käme wohl – und mit Sicherheit – je auf den Gedanken, ein solches Autograph, eine solche Besitz-Trophäe blauesten Blaus unter die Guillotine eines Radiergummis zu zwängen! Welch ein Sakrileg! Welch eine Entgleisung! Wo doch

» … diese kräftige Inbesitznahme vielleicht der harten Hand des Bruders Hugo Stinnes (entsprach), die nach den Aktienpaketen der deutschen Industrieunternehmen griff? War das Vollständigkeitsstreben, das besitzende Beherrschen eines weiten Gebietes, der Charakterzug, der die beiden sonst so verschiedenen Brüder verband? «

Er war einer der Lannas, der Gutmanns, der Davidsohns, der Thyssens als den in der alten Welt »ersten Sammler(n) der Weltkultur, die aus einer industriellen Welt komm(en) … (und) mit keiner der früheren (fürstlichen) Sammlertypen (noch) etwas gemein (haben)« (Lothar Brieger, Das Kunstsammeln, 3. Aufl., 1920, Seiten 10 ff.). Und, als denke er Heinrich Stinnes als den Prototypen schlechthin, fortfahrend, »Er ist, mag er es auch nicht immer gerne hören, ohne den Händler nicht zu denken, schon aus dem Grunde, weil eigentlich der Händler der einzige Mensch war, mit dem er sich verstand … (Und) Hand in Hand mit der Kultivierung des Händlers ging (zugleich) die Entwicklung eines besseren Museumswesens.« Und resümierend »Denn in der Tat haben jene Sammler, die wir als die Väter unseres heute wieder aufgeblühten Sammlertums ansprechen dürfen

nichts gelebt , nichts geliebt und nichts genossen als Kunstwerke. «

Heinrich Stinnes (Mülheim/Ruhr 1867 – Köln 1932) war einer dieser Granden. Reinblütig wie kaum ein anderer. Ein Prinzipal, wie Bruder Hugo auf seinem Felde. Doch, siehe da, zeitüberdauernder gleich einer Kopierstift-Nutzung blieb das seine. Wir verneigen uns in Ehrfurcht.

Und kommen auch nicht, wie anderwärts durchaus zu lesen, auf den Gedanken, ein auf perfektem Papier ausgelaufen erscheinender Kopierstift-Eintrag sei einem Feuchtigkeitsschaden geschuldet, wo’s ganz gegenteilig von zu üppiger Mundfeuchte gar eines Stinnes selbst zeugt! Denn

» Bei trockener Verwendung ist das Schriftbild wenig farbintensiv bzw. gleicht einem Bleistiftstrich (je nach Ausführung). Erst durch Feuchtigkeitsaufnahme tritt die Farbe deutlich hervor und verbindet sich mit den Papierfasern. Die Umwandlung durch Aufnahme der Luftfeuchtigkeit ist verhältnismäßig langsam und kann bis zu zwei Tage dauern. Daher wurde der Kopierstift typischerweise vor und während der Benutzung an der Spitze angeleckt oder kurz in den Mund genommen, was in Stummfilmen noch zu sehen ist. Die Farbkraft auf dem Papier erhöht sich dadurch deutlich und unmittelbar. Bevor die Giftigkeit dieser Stifte allgemein bekannt wurde, war ein (meist violetter) Farbfleck an Lippe oder Zungenspitze von Prokuristen, Sekretärinnen, Krankenschwestern, Bibliothekaren usw. ein Zeichen von Schreibarbeit … Die Unterscheidung zwischen Bleistift- und Kopierstiftschrift, die in trockenem Zustand beide grau erscheinen, kann mittels Feuchtigkeit erfolgen. Die Kopierstiftschrift verfärbt sich irreversibel violett« (Wikipedia 1. April 2020).

niemeyer art books ist stolz , aus dieser Provenienz , aus dieser Parade der Einser, nicht nur ein sammlerisches Flaggschiff absolutum angelandet zu haben, sondern mit diesem den Verleger 1000 Mark Unsittlichkeits-Strafe kostenden 9-Bänder zugleich

eine kulturgeschichtliche Fackel par excellence ,

die Iustitia’s Moralempfinden aufglühen ließ ,

als habe die junge Republik, die Schrecken des Krieges noch hautnah vor Augen, nichts Dringenderes zu tun, als einer noblen Edition für einen kleinen Zirkel geistiger Elite wegen an den Strommasten aufzufahren, um der

Freiheit der Kunst

Saft und Kraft zu entziehen. Es gibt sie auch heute wieder. Diese Aufgeregtheiten, dieses panische Eifern, Dinge überhaupt erst ins Rampenlicht zu zerren, die die Republik sollte ertragen können. Da hilft nur eines: das Aufschließen der Seele. Des eigenen, des sammelnden, des kunstliebenden Ichs.

» Die Nacht ist am schönsten «

sagte der Pianist Eduard Erdmann, Büchersammler von Graden, einst zu seinem Oberkellner im Weinhaus Wiesel zu Köln. Heinrich Stinnes läßt grüßen. Doch »Wenn ihr’s nicht fühlt,« so Faust, »ihr werdet’s nicht erjagen«. Hier und heute denn, dokumentiert mit aller objektgebührenden Sorgfalt wie nicht allerorten der Mühewaltung wert erachtet: das

ausschließlich römisch I genummerte Stinnes-Exemplar des 9bändigen

Venuswagen

Eine(r) Sammlung erotischer Privatdrucke
mit 78 Original-Graphiken

(73 Tafeln, davon 72 signiert + 1 von Corinth unsigniert geblieben wie auch Kat. Fischer 406, 1 illustr. Titel + 4 Vignetten). Herausgegeben als PRIVATDRUCKE DER GURLITT-PRESSE von Alfred Richard Meyer (Munkepunke). Erste Folge. 9 Bände (alles Erschienene). Berlin 1919/1920. 4o (30,7 × 25 cm [12⅛ × 9⅞ in]).

Bordeauxrote Orig.-Maroquin-Bände auf 5 Bünden

mit blindgeprägter Vorderdeckel-Vignette und ebensolcher Filete auf beiden Deckeln sowie, goldgeprägt, auf dem Rücken, wie auch die Titel, türkisgrün kaschierten Spiegeln + Vorsätzen, verschiedene der letzteren als Kaschierfolge schwach gewellt. Kopfgoldschnitt. Zweiseits unbeschnitten.

Provenienz

Doktor Heinrich Stinnes

mit Band für Band
auf dem Vorsatz der von Erwerbsquelle + Preis begleitete
autographe Besitzeintrag
in tiefschwarzer Tinte
sowie dem roten Sammlungs-Stempel (Lugt 4436) nebst 1/40 im Rand links unten
einer jeden der 73 Graphik-Tafeln

Literatur

Das Graphische Jahr, Fritz Gurlitt, 2. Aufl., Berlin 1922, SS. 73 f.; Hayn-Gotendorf, Bibliotheca Germanorum Erotica & Curiosa, Bd. IX (1919), Hrsg. von Paul Englisch, SS. 600 f. + Einzelverweise bei den Titeln; Bilderlexikon der Erotik, Bd. II (1929), 868 f.; Paul Englisch, Geschichte der erotischen Literatur, Berlin 1927, S. 287, 3 + Einzelverweise bei den Titeln; Paul Englisch, Irrgarten der Erotik, Eine Sittengeschichte über das gesamte Gebiet der Welt-Pornographie, Leipzig 1931, S. 299 + Einzelverweise bei den Titeln; L. Lang, Expressionistische Buchillustration in Deutschland 1907-1927, Luzern (1975), SS. 90 f. + Einzelverweise bei den Titeln; Peter Josch, Alfred Richard Meyer, in Philobiblon, Jg. XXVI, H. 1, Hamburg 1982, C 5.

Venuswagen / Deckelvignette

Eine der schönsten Buchreihen erotischer Literatur
des frühen 20. Jahrhunderts :

» Der Venuswagen hat kräftige Gewürze, saftige Kräuter aus Abendland und Morgenland geladen. Künstler mit Namen geben die Zukost, Herr Alfred Richard Meyer führt die Zügel. Erotik zieht – Erotik zieht besser denn je. Heia wird das eine Fahrt werden … «

(Horst Stobbe in Die Bücherstube, Jg. I, H. 2, SS. 71 f., zitiert nach Hayn-Gotendorf, a. a. O., S. 600).

» Sämtliche (noch greifbaren) Drucke wurden beschlagnahmt «

(Englisch, Geschichte der erotischen Literatur). Und Kurt Tucholsky alias Ignaz Wrobel kommentierte die Beschlagnahmungsserie – der auch Ausgaben von G. A. Bürger, Verlaine und Zille zum Opfer fielen – am 25. November 1920 in der Weltbühne unter der Überschrift Der Zensor geht um!:

» Nun liegt die Ungerechtigkeit einer solchen Beschlagnahme darin, daß sie vor dem Spruch des ordentlichen Gerichts erfolgt … Das ist Zensur. Nun will ich mir aber nicht von Herrn Staatsanwalt Orthmann vorschreiben lassen, was ich lesen darf, und wenn das so weiter geht, dann haben wir in vier Wochen eine obrigkeitliche Bevormundung, die sich in gar nichts von Metternichs Zensur unterscheiden wird. Daß Lovis Corinth Präsident der Sezession und Akademieprofessor ist, braucht der Staatsanwalt nicht zu wissen; daß Georg Walter Rößner Lehrer an der staatlichen Kunstschule in Berlin ist, auch nicht. Aber er mag zur Kenntnis nehmen, daß die deutschen Schriftsteller, die deutschen Maler und die deutschen Verleger nicht gesonnen sind, sich den Bütteleingriff eines Mannes gefallen zu lassen, der außerstande ist, einen Nackttanz in der Motz-Straße von einer Radierung Corinths zu unterscheiden. Der dumpfe Ärger juristischer Spießer gegen alles, was in der Kunst frische Luft heißt, hat sich zu Hause auszutoben … In welcher Zeit leben wir? Wir leben in einer Zeit, wo dem stramm emporgereckten Philister erlaubt ist, einer Nation Kandare anzulegen. Wehrt euch! «

Hier indes nicht allein dem Zugriff Iustitias entzogen und solchermaßen ganz komplett, sondern überdies vorliegend in der

Nr. I/XL der VORZUGSAUSGABE

(einmalige Gesamt-Auflagenhöhe 740 Exemplare) auf meist starkem Bütten und in Leder (so hier) oder Pergament oder auch, wie nicht im Impressum vermerkt, in Seide gebunden. – Serien- wie Einzel-Titel meist in Rot + Schwarz. – Innerhalb der großzügigen Titelei auf Seite 3 jeweils Serien-Vignette – Bildinhalt der ersten Bände später abgeändert – in Lithographie. – Druck der Graphiken auf der Gurlitt-Presse. – Neben dem Vorsatz eingangs und am Schluß originär ein oder zwei zusätzliche weiße fliegende Blätter. Auf jedem dem vorderen Vorsatz folgenden fliegenden besagter virtuoser eigenhändiger Besitzeintrag (ca. 6 x 14 cm). Die Graphik-Angabe der Titel meist hs. beziffert. – Mit Ausnahme einer der Corinth-Tafeln, s. u.,

sämtliche Graphik-Tafeln sowie das Impressum

vom jeweiligen Künstler signiert .

  1. Lovis Corinth, VenusFriedrich Schiller. Der Venuswagen aus 1781 als Namensgeber und Band 1 der Reihe mit 8 (7 signierten, so auch Kat. Fischer 406) Farb-Lithographien (15 × 25 [5⅞ × 9⅞] bzw. [7] ca. 26 × 21-21,5 cm [10¼ × 8¼-8½ in], 3 davon im Stein bezeichnet mit Ritsch Ratsch, Venusfinger bzw. Inquisitia) von Lovis Corinth (Tapiau 1858 – Zandvoort 1925). 33 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 217 f.; Ders., Irrgarten d. Erotik, 254 f.; Simon, Schillers ›Venuswagen‹, Euphorion 20/3 (1914); Schwarz L 383. – Europa auf dem Stier versehentlich unsigniert geblieben. – Deckel leicht aufgeworfen, Bundstege leicht beschabt wie auch eine Stelle am oberen Kapital sowie kleine Läsur des Standkapitals unterhalb der Goldfilete. – »Wenn wir Schillers Werke nach dem Gedicht ›Der Venuswagen‹ durchblättern, werden wir es kaum finden. Schillers erste Verse sind stets verfemt gewesen. Der Dichter hat sie selbst unterdrückt. Dennoch – sie sind gerade für den Anfang des großen künstlerischen Schaffens überaus charakteristisch; ihr Wert ist nicht allein im literarischen Kuriosum zu suchen« (A. R. Meyer).
  2. Otto Schoff, Sappho oder Die LesbierinnenE. Jouy (= Victor Josephe Etienne, genannt nach seinem Heimatorte de Jouy). Sappho oder Die Lesbierinnen. (1799.) Aus dem Französischen von Balduin Alexander Möllhausen. Mit Titel- + 6 signierten Tafel-Radierungen (ca. 19,5 × 14,5 cm [7⅝ × 5¾ in]) sowie reizvollen Initialen von Otto Schoff (Bremen 1888 – Berlin 1938). 25 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – H.-G. IX, 309 f.; Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 287 + 425; Ders., Irrgarten d. Erotik, 242 + 265-266; Fromm 13208; Brattskoven 15. – Die grünen Spiegel + Vorsätze mit Wasserrand oben. Vorn maximal 4 cm tief und abnehmend durchfärbend auf die ff. beiden weißen Vorsatzblätter, der Stinnes-Besitzeintrag hiervon ebenso unberührt wie hinten die makellose Impressum-Seite mit Römisch I + der Schoff-Signatur. Hinten ansonsten 11 cm tief und stark durchfärbend auf die beiden weißen Schlußblätter, deren erstes vorderseits aber nur noch gering betroffen. Schwach grüner Oberrand dann auf Seiten 9/10 + Folgeradierung, dann durchgängiger, teilweise praktisch nicht wahrnehmbarer schwacher schmaler Braunstreifen, die äußerste Oberkante gelegentlich auch angegrünt. – Je ein Seiden-Deckblatt rechts- bzw. unterrandig schadhaft. – Von den Einband-Wasserstreifen im Grunde nur erwähnenswert der leichte kleine Dunkelrand linkshälftig der Unterkante des Vorderdeckels, ordnungsgemäß registriert ansonsten noch Vorderdeckel oben + dreiseitig am Rückdeckel. Alles in allem gleichwohl nicht weniger, aber auch nicht mehr als ein partieller Ausrutscher bei makelloser Frische alles Übrigen. – »Ein klassisches Meisterwerk der erotischen Literatur der ersten französischen Republik … Es soll nicht verschwiegen werden, daß Jouy sich später dieses schönsten und gewagtesten seiner zahlreichen Werke geschämt hat …« (Möllhausen). Und »Die lieblichen Mädchenbildnisse, die (Schoff) in erotischer Betätigung wiedergibt, haben viel von dem graziösen Strich Fragonards an sich … Seine bekanntesten Werke sind: 6 Radierungen zu Jouy’s ›Lesbierinnen‹ …« (Englisch, Irrgarten d. Erotik, 265 f.).
  3. Richard Janthur, PantschatantraPantschatantra. Fabeln aus dem indischen Liebesleben. Mit 10 signierten Farb-Lithographien mit zusätzlichem Monogramm im Stein (19,5-22 × 16-17,5 cm [7⅝-8⅝ × 6¼-6⅞ in]) sowie einschlägigen großen Kapitel-Initialen und figürlichen Oberleisten + Schlußvignette von Richard Janthur (Zerbst 1883 – Berlin 1956). Vortitel, 47 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck Spamersche Buchdruckerei Leipzig. – Lang 144; Sennewald 19,3. – Durchgehende Wellung von schwachem Wasserrand im Oberrand, Anfangs- + Schlußblätter etwas stärker. Unten meist nur leichter gewellt und ohne Wasserrand, zudem auch nicht ganz durchgängig. Im Leder nur wenig störende Spur im Oberrand der Deckel. – Ein Seiden-Deckblatt im unteren rechten Rand und Unterrand schadhaft. Dies alles gleichwohl tolerierbar, überspielt von der schönen Typographie und … der starken Bildhaftigkeit der Illustrationen. Eingeschlossen selbst noch die Initialen.
  4. Georg Walter Rössner, Das Aldegrever-MädchenAlfred Richard Meyer. Das Aldegrever=Mädchen. Eine Novelle. 1911. Mit 8 signierten + kolorierten Lithographien (»frei, aber nicht erotisch«, H.-G. IX, 400; 19,5-22 × 13-19 cm [7⅝-8⅝ × 5⅛-7½ in]) von Georg Walter Rössner (Leipzig 1885 – Gundelsby 1972) und großer Eingangs-Initiale. 40 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Sennewald 19,6; G. K. Kobbe, Munkepunke-Bio-Bibliogr. (1933), 44. – Titelei in Karminrot + Schwarz. – Impressum korrekt vom Künstler signiert, nicht vom Autor, wie dort irrig vermerkt. – Hinterlegte kleine Randeinrisse, schwacher Braunstreifen im Bug, stellenweise minimal stockfleckig. Minimale Bereibung am oberen Kapital und drei kleine Kratzer am Vorderdeckel unten links. – »Das Aldegrever-Mädchen ist ein Juwel von Naturwahrheit, Humor und Lebendigkeit … Dafür würde ich auch öffentlich eintreten« (F. Wedekind).
  5. Franz Christophe, Mord im KastanienwäldchenHenry de Kock / Balduin A. Möllhausen. Der Mord im Kastanienwäldchen oder Die Ereignislose Hochzeitsnacht. Mit 6 signierten Farb-Lithographien mit zusätzlicher Signatur im Stein (18,5 × 15 cm [7¼ × 5⅞ in]) sowie illustriertem Titel von Franz Christophe (Wien 1875 – Berlin 1946). 52 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 508; Englisch, Irrgarten d. Erotik, 252; Sennewald 19,1. – Auf dem Vortitelblatt der Titel Henry de Kock / Die Geschichte vom Doktor Schultz. – Titelei in Grün + Schwarz. – Ohne die sammlungsspezifische hs. Angabe der Graphikanzahl auf dem Titel. – Anfangs minimale Stockstippen. – Minimale Abschabungen an oberem Kapital und drei Rückenstegen. – »Henry de Kock blieb an Lüsternheit nicht hinter seinem Namensvetter (Paul de Kock, tatsächlich der Vater) zurück … und schrieb auch manches andere freie Geschichtchen … in dem das Blutrünstige und Erotische zu einer seltsamen Einheit sich zusammenfanden« (Englisch, Geschichte d. erot. Literatur, S. 508).
  6. Willy Jaeckel, Erotische Votiv-TafelnHeinrich Lautensack. Erotische Votiftafeln. Mit 7 signierten Lithographien mit zusätzlicher Signatur im Stein (11,5-20 × 14-15,5 cm [4½-7⅞ × 5½-6⅛ in]) von Willy Jaeckel (Breslau 1888 – Berlin 1944). 32 Seiten incl. des weißen fliegenden Vorderblattes, 1 Blatt Impressum. – Textdruck Buchdruckerei Gustav Ascher, Berlin. – H.-G. IX, 341 f.; Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 287; Lang 134; Sennewald 19,1; Stilijanov-Nedo 86. – Durchgängig in Rot + Schwarz. – Impressum entsprechend auf schwerem holländischen Bütten, nicht 1919er Zanders-Bütten wie von H.-G. vermerkt. – Anfangs nur ein zusätzliches, zudem in die Paginierung einbezogenes fliegendes Blatt. – Eines der Seiden-Deckblätter mit kleinem Ausriß und hinterlegtem Einriß im Unterrand.
  7. Paul Scheurich, Die Königliche Orgie(François-Marie Mayeur de Saint-Paul). Die Königliche Orgie oder Die Österreicherin bei Laune. Eine Oper Von einem Leibgardisten veröffentlicht am Tage der Pressefreiheit. 1789. In Musik gesetzt von der Königin. Mit 6 signierten Tafel-Lithographien (»erotisch und obszön«, H.-G.; 6,5-9 × 6-14,5 cm [2½-3½ × 2⅜-5¾ in]) sowie 3 reizvollen Vignetten-Lithographien von Paul Scheurich (New York 1883 – Brandenburg 1945). Zum ersten Male in die deutsche Sprache übertragen von Engelbert Nern und mit dessen Nachwort Die Kleinen Gemächer und der Hirschgarten. 38 Seiten, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Barbier I, 323; H.-G. IX, 438; Sennewald 19,5. – Der Autor der 1789 ohne Ortsangabe unter dem Titel L’Autrichienne en goguettes ou l’orgie royale erschienenen Opéra Proverbe von Herausgeber/Übersetzer unrecherchiert geblieben. – Serien-Vignette in Orange, Titelei in Orange + Schwarz. – Alle 6 Tafeln mit dem Sammlungs-Stempel wie Usus, doch nur fünf auch mit dem hs. 1/40. – Partiell schwacher Schatten eines schmalen Wasserrandes im Unterrand, im Impressum-Blatt und dem sich anschließenden weißen fliegenden etwas stärker. Eines der Seiden-Deckblätter schadhaft.
  8. Wilhelm Wagner, Die KirschenWilhelm Heinse. Die Kirschen. Mit 7 signierten Kreide-Lithographien (»frei, aber nicht stark erotisch«, H.-G.; 17-20,5 × 10-19 cm [6¾-8⅛ × 4-7½ in]) sowie Vignetten + Oberleisten-Bordüren von Wilhelm Wagner (Hanau 1887 – Bad Saarow 1968). 45 SS., 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – H.-G. IX, 270; Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 191 f.; Sennewald 20,2. – Dem Inhalt angepaßte geänderte Serien-Vignette. – Titel in Rot + Schwarz. – Die schöne große Typographie eigens erwähnenswert. – Ohne die sammlungsspezifische hs. Angabe der Graphikanzahl auf dem Titel. – Nur ganz gelegentliche Stockstippen. Minimale Bereibung der Oberkante des Rückdeckels, die Deckel leicht aufgeworfen. – Heinses 1773er Gedicht nach Claude-Joseph Dorats Les Cérises et la double méprise, der seinerseits in Béroalde de Verville (Moyen de parvenir) und Jean-Baptiste de Grécourt zwei Vorgänger bzw. Vorbilder hatte.
  9. Willy Geiger, Gilles de RaisJ(oris) K(arl) Huysmans. Gilles de Rais. Deutsch von August Döppner. Mit 15 signierten Lithographien von Willi Geiger (Schönbrunn b. Landshut 1878 – München 1971) mit zusätzlichem Monogramm im Stein (11-20,5 × 5,5-18 cm [4⅜-8⅛ × 2⅛-7⅛ in]) sowie nur steinsignierter großer figürlicher Schlußvignette und figürlicher Eingangs-Initiale. 40 Seiten incl. des zweiten fliegenden Vorderblattes, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – H.-G. IX, 298; Englisch, Geschichte d. erot. Lit., 523 f.; Englisch, Irrgarten d. Erotik, 257; Lang 70. – Nur der Serientitel in Rot + Schwarz bei gleichzeitigem Fortfall der Serien-Vignette. – Die irrige Impressum-Angabe bezüglich nur 35 Vorzugs-Exemplaren hs. in 40 berichtigt. – Ein Seiden-Deckblatt schadhaft. Rückdeckel mit schwacher langer Kratz- und drei minimalen Schabspuren, solche auch am oberen Kapital und den Rückenstegen.

Unbeschadet beschriebener und, für sich allein gesehen, durchaus störender Erhaltensmängel zweier Bände erwartet Sie ein

denkbar frischer Erhaltungszustand + als Ganzes eine Augenweide ,

die besagte Mängel souverän überspielt. Dieses Exemplar ist schlichtweg

ein von Provenienz + Römisch I
einzigartig geadeltes Gesamtkunstwerk .

Zugedacht jenen ,

die » die Anordnung , die Gesten und die Formen von Figuren

in einer Komposition … zu lesen verstünden «.

So Nicolas Poussin um 1637 an Jacques Stella. Hier denn jenen Wenigen zu lesen und zu verstehen ermöglicht dreihundert Jahre später an einem nach außen gekehrten Innersten eines Ihresgleichen.

Angebots-Nr. 29.125 | Preis auf Anfrage

Heinrich Stinnes, Sammlermarke
Heinrich Stinnes, 1/40.

  1. Hilliard T. Goldfarb im von ihm hrsg. Montreal/Kölner Richelieu-Katalog, 2002, S. 10/I.