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jan hendrik niemeyer - seit 1992 -

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Erstes illustriertes medizinisches Druckwerk

„Ketham’s“ Fasciculus medicinae

als zugleich „ eines der schönsten ital. Holzschnittbücher “

(Ketham, Johannes de [d. i. Johannes Kirchheimer, eigentlich Johannes Kellner aus Kirchheim unter Teck, dortselbst ca. 1420 – Ofen 1468/70]). Fasciculus medicinae. Venedig, Gregorius und Johannes de Gregoriis, 15. Okt. 1495. Kl.-Fol. 40 unnum. Bll. 2 Sp. 53 ZZ. Got. char. Mit zahllosen, auch mehreren großen, Initialen und

10 blattgroßen Holzschnitten .

FACSIMILEAUSGABE. (Stgt.,) Edition Medicina Rara, ca. Anfang/Mitte 1970er. Kl.-Fol. (33 x 23 cm). Schwarzer OLdr.-Bd. mit 5 Zierbünden, goldgepr. Rückentitel und reicher ornamentaler Blindprägung beider Deckel in mit braunem Velour ausgeschlagenem lichtbraun marmor. OPp.-Schuber. – Wohl ohne zugehöriges Begleitheft, berücksichtigt von hiesiger detailreicher Beschreibung. Ansonsten neuwertig.

(Hain-Cop. 9775; Klebs, Incunabula Scientifica et Medica, 573.2; BMC V, 347; Eßling 587; Haller, Bibliotheca Anatomica, I, 152; Polain 2411; Proctor 4550; Sander II, 3745; Stillwell K 12.)

ADB XV [1882], 669; NDB XI [1977], 474. – Nach Keil, s. u.: I. Schwarz, Johannes Kirchheimer, Ein ärztl. Charakterbild aus dem ma. Wien, 1923; Sudhoff, Johannes Kirchheimer, in: Vf.-Lex. d. MA II; Ch. Ferckel, Zur Gynäkol. u. Generationslehre im Fasciculus medicinae d. Johannes de Ketham, in: Sudhoffs Archiv 6, 1913.

Nr. CXXIV/300 Exemplaren der handschriftlich römisch numerierten Vorzugsausgabe in Leder (Gesamtauflage 2800 Explre., davon die 2500 arabisch numerierten Ordinär-Explre. in Halbleder). – Nach dem

durchgehend in Rot rubrizierten , auch von Randannotationen in Rot

und auch ausgemalten Initial-Buchstaben begleitetem herrlichen Exemplar der Sammlung Otto Schäfer, Schweinfurt, ist das Fasciculus ein

„ ‚Bündel‘ von in nur zwei Manuskripten überlieferten sechs unabhängigen und ganz unterschiedlichen mittelalterlichen medizinischen Abhandlungen … Der landläufig mit dem Fasciculus assoziierte deutsche Arzt Johannes de Ketham war weder der Autor noch wenigstens der ursprüngliche Kompilator, sondern lediglich Besitzer eines der Manuskripte. Die Themen der Abhandlungen decken ein weites Spektrum des mittelalterlichen europäischen medizinischen Wissens und dessen Technik ab unter Einschluß von Urulogie, Astrologie, Aderlaß, Wundbehandlung, Pest, anatomischer Sektion und Frauenheilkunde.

Das Buch ist bemerkenswert als das erste gedruckte illustrierte medizinische Werk ;

beachtenswerte Illustrationen eingeschlossen :

ein Harn-Diagramm , ein Venen-Diagramm zur Blutentnahme , eine schwangere Frau , verwundeter Mann, kranker Mann und Tierkreiszeichen-Mann …

Die zehn großzügigen ganzseitigen Holzschnitt-Illustrationn beeinflußten eine Zeitlang die Künstler – ja noch 1751 scheint das letzte Blatt ( die Sitzung der Anatomischen Fakultät ) von William Hogarth’s Vier Stadien der Grausamkeit von der Sezierungs-Scene hier entlehnt zu sein “

(englische Wikipedia unter Rückgriff auf L. Choulant, History and bibliography of anatomic illustration. Trans. and annotated by Mortimer Frank, NY 1962, SS. 115-119).

Angeführt wird die Folge indes von zwei in die Thematik allgemein einführenden Schnitten, deren Klarheit und Ausdrucksstärke von geradezu hinreißender Schönheit sind. Der erste zeigt im oberen Drittel das Brustbild eines gleichzeitig lesenden und schreibenden PETRVS DE MONTAGNANA (Kleinstadt in der Provinz Padua innert der Region Venetien) mit seine Gelehrtenklause andeutenden Butzenscheiben zur Linken und des Caius Plinius De Naturali zur Rechten. Eine Bezeichnung wie Petrus de Montagnana in seiner Kanzel, so Busch-Reisinger Museum für ihr Blatt G5121.1 („Anonymous [Venice] 1499, c. 1500“, also wohl aus einer der beiden 1500er Gregoriis-Ausgaben, Klebs 573.3 f.) ist hieraus nicht abzuleiten. Treffender schon jene Petrus de Montagnana in the Lecture Chair at Padua (The Granger Collection, NY als Zuschreibung an Gentile Bellini [1429 Venedig 1507], image no. 0079529 aus der 1522er venezian. „Ketham“-Ausgabe).

Er könnte dann jener 1478 dortselbst verstorbene „Grammatiker und Bibliophiler“ sein, von dem sich in der Bodleian Library ein Augustinus, De civitate Dei (Venedig, Joh. und Wend. von Spyer, 1470, Fol. [ISTC ia01233000; Bod-inc A-520 / Bodleian Library: Broxb. 18.10] als 1478er Geschenk Montagnana’s an die dortigen Augustiner befindet, dem aber der fachliche und letztlich auch zeitliche Bezug fehlt. Auch Jöcher’s (III [1751], 620 mit Gg. Matth. König’s 1678er Bibliotheca Vetus & Nova als Quelle) Petrus Montagnana als eines im 15. Jhdt. lebenden, welcher „ein Werck verfertiget, worinne er

durch Gemählde und Bilder das Innerste des Menschen gar deutlich ausgedrücket “

könnte sich als irrtümlich erweisen, indem mangels Aufscheinens eines Autors im Impressum die Dominanz des Namens im Eingangsholzschnitt ganz folgerichtig als der des Verfassers gelesen wurde. Denkbar schließlich, daß verwechselnd der Holzschneider den gleichfalls in Padua lehrenden Mediziner Bartholomäus II de Montagnana – Jöcher I, 825 f. – im Blick hatte, dessen Schriften im letzten Viertel des Jahrhunderts zunächst in Padua und in den 1490ern in Venedig erschienen. Im übrigen mag die Spezialliteratur diese Frage schon beantwortet haben und wird die Entstehung des Fasciculus überdies schon zu Ende des 14. Jhdts. gesehen, siehe nachfolgend. Und von der Literatur unverändert als Pseudo-Ketham geführt.

„ Kellner (Ketham/Kircham) schrieb sich 1437 als Johannes Celearii de Kirchen in die Wiener Matrikel ein, erwarb das Lizentiat der Artistenfakultät und unterzog sich 1444 der medizinischen Bakkalaureatsprüfung. 1447 meldete er sich zur medizinischen Lizentiatsprüfung, erhielt die Approbation und wäre 1448 beinahe gescheitert beim Erwerb des medizinischen Doktorgrads. Hervorgetreten durch anatomische Vorlesungen und Demonstrationen, wurde er durch die Fakultät 1450, 1454 und 1461 zum Dekan gewählt, obwohl er (magister Johannes Kircham) zeitweilig Wien verließ (1451-54) und wegen seines Verwickeltseins in die Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Wien, Kaiser Friedrich III. und Erzherzog Albrecht VI. seine Lehr- und Amtsverpflichtungen nur bedingt erfüllen konnte. Sein unruhiges Leben beschloß er in Ofen.

Unter Kellners Namen (Johann de Ketham [!], Alemannus) erschien 1491 in Venedig ein ärztliches Vademecum, das therapeutische, diagnostische und iatromathematische Abschnitte – teils landessprachiger Herkunft – vereint. Die Wirkung dieses ‚Fasciculus medicinae‘ war beachtlich: er wurde häufig nachgedruckt, übersetzt sowie bearbeitet und

hat sich als praxisbezogenes Tabellenwerk bis weit in die Neuzeit behauptet .

Kellner kommt aber weder als Kompilator geschweige denn als Verfasser in Frage; er hat den ‚Fasciculus‘, der Ende des 14. Jahrhunderts zusammengestellt wurde allenfalls empfohlen beziehungsweise benutzt “ (Gundolf Keil).

Vorgelegt hier denn in nobler Edition als Brückenschlag über sechs Jahrhunderte ,

in seiner schönen Typographie , seiner ganzen Gestaltung gleichrangig erinnernd an seine „berühmte(n) venezianische(n) Buchdrucker“, die Gebrüder Gregoriis.

„ (B)ald für sich allein , meist aber zusammen tätig , gaben (sie) 1480-1505 zahlreiche Druckwerke , darunter viele Klassiker , Rechtsbücher und medizinische Werke heraus . Manche ihrer Erzeugnisse … gehören zu den schönsten Büchern ihrer Zeit .

Der ‚Fasciculus medicinae‘ aus dem Jahre 1491 (Erstausgabe)

ist eines der schönsten ital. Holzschnittbücher “

(Karl Schottenloher in Löffler-Kirchner, Lexikon des Gesamten Buchwesens, II [1936], 16 f.).

Angebots-Nr. 29.011 | EUR 230. (c. US$ 278.) + Versand